Bau einer JIF.65
Name des Erbauers: Mario Rudolph
Wohnort: Fürstenwalde
Meine Lieblings-Segelreviere: Spree bei Fürstenwalde - halt Zuhause; Scharmützelsee Bad Saarow – Fontanepark oder Cecilienpark siehe Karte;
Bootsname: Die Eignerin hat sich leider noch nicht 100%ig entschieden und ich habe noch nichts beschriftet.
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Mit den Planungen für die JIF.65 habe ich eigentlich begonnen, weil ich einen Gegner für meine damalige Fortune suchte und Rainers erster Bericht bei RCN auch wegen der Kosten sehr interessant war.
Da sich die Materialbeschaffungen schwieriger als erwartet gestalteten, vergingen etliche Monate mit den Vorbereitungen und Überlegungen.
Da ich auch mit der Basic geliebäugelt hatte, und schlechte Erfahrungen mit der Dichtigkeit bei der Fortune gemacht hatte, sollte das Deck für den einfachen und sicheren Zugang auch einen Kaffeedosendeckel bekommen. Ist dann der obere Teil einer Parmesandose geworden. Da das Boot für meine Tochter bestimmt war, waren mir Balsa und Foliendeck wie im Bauplan zu empfindlich. 0,8 mm Sperrholz war im „örtlichen“ Modellbauladen nicht zu bekommen. Also habe ich es mit 1,5 mm wasserfestem Modellbausperrholz von Graupner (sauteuer) versucht. Für den Kiel auch noch eine Tafel 2 mm Dur-Alu auch von Graupner und ebenso teuer. CFK-Stäbe gab es im Drachenladen, ebenso Segelstoff, der sich im Nachhinein als total ungeeignet erwies. Also beim Kauf unbedingt darauf achten, dass es Icarex ist.
Die Spanten habe ich aus Balsa geschnitten und mit angeklebten Holzklötzen auf ein Baubrett genagelt. Die Planken habe ich dann mit Sekundenkleber auf die Spanten geklebt. Dies war im Bugbereich sehr schwer und hat nicht 100 %ig geklappt. Den Rumpf habe ich dann nur mit größter Mühe vom Baubrett bekommen. 1 Mittelspant ging dabei flöten. Da ich ja ein recht massives Deck geplant hatte, habe ich dann alle inneren Spanten entfernt.
Den Rumpf habe ich dann mit 5x5 mm Kiefernleisten verstärkt und ein tiefer liegendes Heck gebaut. Den Kiel habe ich dann doch aus Sperrholz mit einem eingelegten Kohlefaserstab gebaut. Ist sehr steif. Ein Kohlestab jedoch nicht erforderlich, sondern lediglich eine Holzleiste als Abstandshalter für das Kielmaterial. Dieses wirkt dann wie ein Doppel-T-Träger.
Abweichend vom Plan habe ich wie Rainer einen Mastkoker mit dem Kielkasten gebaut. Im Deck habe ich jedoch nur mittig eine Bohrung ins Deck eingebracht. Der Verstellbereich ist nur am Mastfuß. Damit fährt man weniger Wasser spazieren.
Innen habe ich den Rumpf in den Kanten und am Kiel mit Glasgewebestreifen verstärkt. Das Deck sollte trotz großem Zugang nicht so schwer werden. Also habe möglichst viel ausgeschnitten.
Die Servos hatte ich zunächst achtern vom Kielkasten (Segelservo) und seitlich davon auf Leisten befestigt.
Die Segel habe ich aus farbiger Geschenkfolie nach Plan geschnitten und mit Spinnakertape verstärkt. Mit dem Stand der Segel, der Erkennbarkeit (vor allem nach der Beschriftung mit Permanentmarker) und der Widerstandsfähigkeit bin ich zufrieden. Als Segellatten verwende ich Streifen von einem Schnellhefterrücken, die ich mit Tesa Doppelklebeband befestige.
Für den Zuschnitt der Streifen mit Klebeband eignet sich besonders ein Fotoschneider.
Das Deck habe ich nach dem Lackieren mit farbloser Klebefolie beklebt. Diese lässt sich auch mehrmals öffnen, ohne gleich ersetzt werden zu müssen.
Nach ersten Segeltests, habe ich den Segelservo auf einem Servobrett vor dem Kiel eingebaut, um das Heck aus dem Wasser zu bekommen. Dadurch hat man auch für die Montage des Servos, des Empfängers und des Akkupacks mehr Platz. Die Kielbefestigung erfolgt mit einer Messingmutter unterhalb des Deckels.
Die Schotanlenkung erfolgt direkt am Servoarm aus Alu und wird am Achterstag in einem Ring umgelenkt. Das verwendete Simprop-Servo reicht selbst mit 4,8 V locker aus und der Verstellweg ist ebenfalls lang genug. Durch die Umlenkung am Achterstag wird dieses in Böen oder großer Schotspannung ebenfalls gespannt. Da ich bisher keinen Vergleich habe, kann ich nicht sagen, inwieweit sich dies auswirkt, die Segeleigenschaften sind jedoch sehr ausgewogen.
Ich bin schon in Böen bis zu 7 Bft. gesegelt. Auch dabei blieb das Boot voll steuerbar und neutral. Lediglich bei starkem achterlichen Wind kann der Bug wegtauchen. Dann fällt das Boot seitlich um und verliert in diesem Moment die volle Fahrt.
Da das Gesamtgewicht mit 4,8 V Standardakkupack bei 1200 g liegt, sind die Leichtwindeigenschaften insbesondere bei drehenden Winden nicht so gut.
Die nächsten Boote werde ich aus leichtem Balsa mit Spanten und Foliendeck bauen. Den Rumpf will ich dann nur dünn mit GFK überziehen. Mast- und Kielposition, passen perfekt und die Größe ist bis zu mittleren Entfernungen sehr angenehm.
Im Vergleich zur Fortune fallen insbesondere folgende Vorteile auf: sehr gute Kursstabilität und Höhe am Wind, auch mit Standardbeseglung starkwindtauglich, durch höheren Freibord und Kaffedosendeckel absolut dicht, mehr Platz unter Deck, kein Verhaken der Schot, viel besserer Stand der Segel, stabileres und praktischeres Rigg.
Nachteile: schlechtes Anspringen bei Leichtwind. Kein Gleiten möglich – dies ist konstruktionsbedingt sicher nicht möglich, aber durch den sehr guten Wasserablauf am Heck in der Summe der Eigenschaften sicher nicht entscheidend.
Deutlich bemerkbar macht sich ein Verschieben des Akkupacks. Bei Leichtwind Akku nach vorn, um das Heck aus dem Wasser zu bekommen. Bei Starkwind Akku nach hinten. Dann sind auch Tauchgänge sehr selten.