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Woodway

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Woodway

JIF 65 “woodway”: über Anfängers Mahagonikästchen geplaudert

Von Stefan Ganter

Dieser Baubericht erhebt nicht den Anspruch, eine Bauanleitung zu sein. Hierzu gibt’s Berichte und vor allem hinreichend viele Fotos. Allerdings waren die Voraussetzungen für den Bau einer Modellyacht im vorliegenden Fall eher ungünstig. Als Ausgleich waren die Ansprüche des Erbauers an das Produkt hoch. Dieser Widerspruch führte zur wieder- kehrenden Frage: Bin ich nicht auf dem Holzweg? “Woodway” wurde also Arbeitstitel und in der Folge auch der Bootsname. So besteht vielleicht Interesse an den hier geschilderten Erlebnissen, vermutlich eher bei ebensolchen Anfängern, wie ich einer bin.

Die Voraussetzungen:

  • kleine Wohnung, keine Werkstatt, an diversen Orten verteiltes Arbeitsmaterial, wenig spezielle Modellbaumaschinen / Arbeitsvorrichtungen
  • Bauwerft = Esstisch und Teppichboden, Einrichten und Räumen der “Werft” zeitintensiv
  • Noch nie ein Holzboot bzw. ein Boot nur nach Plan gebaut, jedoch etwas Erfahrung mit “manntragenden” Holzbooten.

Der Anspruch:

  • Eine RG 65: Einfach, dennoch schön, aus Mahagoni zum Angucken, gute Segeleigenschaften
  • Kurze Bauzeit
  • Bau nach bewährter Planvorlage, dennoch individuell, also Modifikationen der Planvorschläge.

Die Warnungen, Sorgen:

  • Mahagoni ist relativ schwer
  • das in diesem Falle sehr dünne "Massiv"-Holz darf nicht feucht werden, sonst wird das Boot von alleine den Planvorgaben "aus dem Weg gehen".

Vorneweg: Die JIF 65 schien ideal; "woodway" wurde was: Ich find’ sie schön, bin von den Segeleigenschaften begeistert und letztendlich vom Ergebnis überrascht. Das tut gut!

Nun der Bildbericht:

Foto 1: Beplankung aus 0,9mm Mahagoni und die ersten Fehler
Ich hatte nicht den Mut, die Spanten richtig fest auf dem Baubrett zu fixieren aus Sorge, ich krieg das nach dem Rumpfbau nicht mehr runter. Hätte ich die Spanten gut fixiert + die seitlichen Planken zuerst eingeleimt/trocknen lassen, den Rumpfboden nach Lösen der Baubrettfixierung verleimt, wären vermutlich einige Arbeiten gem. Foto 2 nicht nötig gewesen. Außerdem: zu dicke und noch zu “volle” Spanten

Foto 2: Zum Ausgleich: Schleifen- Schleifen-Füllen-Fräsen-Epoxieren
Die Ungenauigkeiten im Rumpf + schlecht ausgeschnittenen Planken werden mit viel viel Schleifen und Leim “in Form” gebracht. Verzug soll durch Glasfaser-Epoxistreifen verhindert werden. Die zu dicken Spanten werden mit dem Mini-Fräser in einer sehr ungünstigen Bauphase “erleichtert”. Später, vor der Decksverleimung, entschließe ich mich nochmals zu einer Fräsaktion(das wäre beinahe das Aus für woodway gewesen…)

Foto 3: Einbau des Ruderkokers
Weiter achtern als im Plan (Hoffe auf bessere Ruderwirkung mit Ruder weiter achtern, was sich als Denkfehler entpuppt, s. u.). Als Peileinrichtung während dem Aushärten des Leims dient eine Stange im Koker, gepeilt wird auf die Senkrechte der Balkontür- kante und die Kielfinne. Der Rumpf ist mittels Wasserwaage “krängunsfrei” ausgerichtet und fixiert. Das funktioniert gut, habe ich fehlerfrei hingekriegt. Die Achterkante des Ruders soll genau am Heck enden: ich hoffe auf besseren Wasserablauf. Ob das “funzt” wissen die Götter. War aber eine spannende Aufgabe.

Foto 4: Vor der Decks- verleimung: Spanten nochmals ausgefräst, uff! Deck achtern tiefer, woodway soll hier “offen” sein, so kommt man an die Ruderanlenkung besser ran und: Optik…. Innen habe ich nochmals geschliffen: Vor der Decksver- leimung wird innen mit Epoxi gestrichen/versiegelt (ohne weitere Glasfaser). Ich habe Muffe vor offenem Holz… Die Servos sitzen beide achtern, der “schwere” Segelservo (GWS) möglichst tief (Schwerpunkt). Der leichte Ruderservo höher: das Rudergestänge soll ohne Knick auskommen, weil ich nicht weiß, wie Knick, Gestänge- durchführung, Ruderausschlag zusammenpassen werden... Jetzt wüsst ich`s!

Foto 5a. “Wunderwerk” Deck: Weil das Deck im Rohzustand 135 g wiegt und mir mehr als hart erscheint, entschließe ich mich zu einer “Decks-Löcher-Aussäge- Ausfräs-Aktion“. Hier werden letzte Weichen hinsichtlich des “Designs” gestellt. Das Fräsen erleichtert um 70 g oder > 50%!! Nicht eingerechnet, dass nach der Verklebung ein Überstand bleiben wird, den ich erst nach dem Verleimen Abschleifen will, damit die Deckskante exakt plan zum Rumpf wird. Hinsichtlich des späteren Verschlusses mit Folie auf den nun doch filigranen Deck ist mir zu diesem Zeitpunkt noch Bange….

Foto 5b. “Wunderwerk” Deck: Ich habe doch Schiss, auch das Deck in “Mahagoni pur” zu bauen. Das vorhandene Material ergibt: 1,0 mm Birkensperrholz + 0,9 mm Mahagoni aus Reststücken als Puzzle-Spiel mit Epoxi aufgeleimt inkl. “Fisch” in der Mitte aus einer 1x 2 mm Kiefernleiste. Mit viel Schleifen wird’s etwas dünner und durch die Fräserei auch deutlich leichter. Das über dem Servoraum ausgefräste Quadrat soll später genau als Verschlussdeckel dienen (Verlauf Holzmaserung/Optik): das gelingt tatsächlich!!!! Also “Wunderwerk” deshalb: zwei Wochenenden Schuftung (S. o. “Ansprüche“).

Foto 6: Decksverleimung:

Mit Epoxi und viel Gewicht an der Heizung bei > 22°C wird super. Die Stangen + Papier damit nix am Deck festklebt. Anschließendes Planschleifen des Überstands (siehe F 5a) von Hand: "hart aber herzlich" und gut

Foto 7: Rumpf Vor der Endlackierung mit Bugfender: Balsaklötze mit 1 mm Sperrholzsteg in der Mitte - 3 Stunden handgeschliffen: eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt wird… Sieht toll aus, ein “vorschriftsmäßiger”, also weicher Fender ist das leider nicht!

Foto 8: Danke Peter für das Bild!

Lackierung:

  • Grundierung mit Epoxi
  • 2 Schichten DD 2-K-Lack (gas- bzw. diffusionsdicht). Erstaunlich: Gewicht/Schicht < 5 g (Rumpf + Deck). Aber: “sauschwer” zu lackieren, ich probiere das bei meinem "manntragenden Boot seit Jahren, ohne Fehler klappt’s nie. Daher:
  • Oberfläche mit 1K-Kunstharz-Lack (“Bootslack”, Tip eines Boots- bauermeisters). Aber überraschend schwer an Gewicht (> 5 g/Schicht)

Foto 9: Danke Peter für das Bild!

Das Deck ist mit DC-Fix beklebt.

Als Grundlage habe ich eine Schablone aus ABS geschnitten (hatte ich übrig, brauche ich vielleicht ja öfters). Anhand der Schablone die Folie ausgeschnitten + aufgeklebt: Es gab kaum, dafür jedoch hässliche Falten. ABER OH WUNDER:

Der Hersteller empfiehlt Bügeleisen oder Fön: Beim Fönen bekam ich ein doch freudiges Kribbeln: Fönen ist hier wie Zaubern, in weinigen Minuten zog sich die "Plane" glatt, kann man Bongo drauf spielen. Bingo-Bongo

Und dann im März 2006 (seht Ihr das Eis noch, ist grad am Bildrand verschwunden):

Foto 10: Endlich Seeeeeegelnnnn……………

Fazit

  • Lackieren: Jeweils mit sehr feinem Pinsel und immer nach gutem Zwischenschleifen klappt sehr gut. Ich habe das (wegen der kleinen Wohnung und dem kalten Winter) abends im Bad erledigt(Baubrett über der Badewanne oder lackierte Teile an der Duschvorhangsstange aufgehängt): die Idealtemperatur lässt sich gut regeln und auch über Stunden konstant halten, die Umgebung ist staubarm, das Gas- bzw. Geruchsproblem relativiert sich wegen der guten Lüftungsmöglichkeit und der (i d. R.) geringen Aufenthaltsdauer des Bewohners, es gibt wenig Textilien, in denen sich Gerüche festsetzen und zum Schluss lassen sich evtl. Lackspritzer im Bad unproblematisch mit Aceton entfernen. So habe ich eine für mich recht akzeptabele Lackoberfläche erzielt.

  • Sicherlich muss ich auf Lackschäden achten. Wasser im dünnen Holz wäre vermutlich fatal (nicht korrigierbarer Verzug). Dann bleibt nur flicken.

  • Das Ruder ganz achtern hat - wie befürchtet - eine Leegierigkeit erzeugt, die nicht ganz einfach,aber dann doch zu beseitigen war: 1. ich habe die Masttasche achtern noch etwas ausgebohrt und 2. intensiv am Trimm rumgefummelt, jetzt passt das

  • Hinschtlich "Ruderdrehpunkt" lag jedoch ein Denkfehler vor (Danke Rainer für die Aufklärung und die aufschlussreiche Diskussion): je größer der Abstand Ruder - Kiel bzw. hier, je weiter achtern das Ruder dreht, umso weniger wendig/aber kursstabiler/träger wird ein Boot

  • Der Kiel wiegt 460 g statt der planmäßigen 500 g (hab ich fertig bei Ralf Tacke erworben): Dafür habe ich die Kielfinne ca. 2cm länger gemacht. Die Stabilität ist absolut o. k.. Allerdings dürfte der Geschwindigkeitsvorteil aufgrund des geringeren Gewichts durch den größeren Wasserwiderstand der längeren Finne aufgebraucht werden oder schlimmer. Ob hier Optimierungen möglich sind (Weniger Kielgewicht längere, verbesserte Finne) wissen die Götter. Ich will irgendwann einen Vergleichkiel bauen. Vielleicht weisen mir die Götter dann die Lösung

  • Finne und Ruder sind noch verbesserungswürdig: die sind mir a) recht schwer geworden (zuviel Leim drin) und hinsichtlich der Profilierung nicht optimal (1mm Sperrholz über Kiefernleiste bzw. Stahlstift gebogen und des Schleifens am Ende müde…). Außerdem habe ich das mit den Alu-Profilen von Rainer zu spät realisiert….

  • Sicher sind auch die Segel noch nicht der letzte Schrei, ist mein zweiter selbstgebauter Satz und so freue ich mich dennoch über das Ergebnis.

  • Woodway wiegt mit relativ leichter RC-Ausrüstung (leichte GWS-Servos, 4,8 V/900mAh AAA-Zellen) und dem leichten 460 g Kiel nun genau 1180 g. Kleine Gewichtsreduzierungen sind noch möglich. Hätte ich manches vorher gewusst…, ich hätte dünnere Spanten gebaut oder hätte diese nach dem Rumpfbau wieder entfernt und würde dafür mehr Glasfaserstreifen einbringen. Dafür könnte ich die Planken genauer geschnitten haben und ich würde nicht mehr soviel mit Leim “rumaasen” am Anfang, ich hätte noch mehr rausgefräst, dann würde sie vielleicht nur 1100 g wiegen …..Aber hätte, würde, könnte, machen wir beim nächsten Mal. Will sagen: Auch aus herrlichem Holz lassen sich meines Erachtens leichte, schöne Boote bauen.

Zuletzt: Hiermit will ich alle ermuntern, die Zweifel an ihren Fähigkeiten oder Möglichkeiten haben: es hat einen riesigen Spaß gemacht, so ein Boot zu bauen, Nüsse, manchmal harte, zu knacken. Den Teppichboden hab ich wieder in Ordnung, das Werkzeug wieder versteckt. Zwischendrin habe ich mir mal einen RG-Bausatz gewünscht. So sehr ich mir bei Manchem das Hirn zermartert habe, es ging schief; dafür gelang Anderes zu meiner Verwunderung auf Anhieb. Gelassenheit ließ Fehler korrigieren, die in Hektik entstanden sind. Nachdem sie nun nach 2,5 Monaten mit wenig Schlaf und langen Nächten dem Erbauer auch noch riesigen Spaß beim Segeln und Angucken macht, ist “woodway” einfach auch ein supergutes Gefühl!! Also rann Leute.

last but not least: Die RG 65-Homepage und ihre “Mitarbeiter” waren Anregung, Anleitung und tolle Hilfe. Dank an alle, v. a. an Rainer!

Als Ergänzung zum Schluss noch einige hilfreiche oder einfach nur anregende Links:

Und auf der RG-Seite in der Boots- bzw. Bildergalerie:

Und zum Bau von Holzyachten eine sehr schöne und informative Seite von Alexander Holthaus - wohl einem "Holzwurm" aus tiefster Überzeugung - mit weiteren interessanten Links: http://www.woodenstars.net/ Solltet Ihr Fragen haben Mail an Stefan Stefan, Markdorf im März 2006

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